Der 14. Tag

So viele Tage sind schon wieder vergangen, nach der letzten OP.
Das warten auf die Befunde treibt mich in den Wahnsinn. Eigentlich sollte es eine Stanzattacke meiner Lieblingsdoctorin werden und am Ende wurde es ein 5,0 cm x 5,0 cm Schlachterei. Mein Fuss fehlt jetzt ein Stückerl . Der Leberfleck ist weg und sicher ein paar erogene und fühlige Zonen auch.
Die Narben schmerzen komischerweise erst jetzt. Vielleicht sollte ich mir diesen Anblick doch heute einmal gönnen und schauen, was da wirklich los ist. Ich, der so gern Wunden und Blut sieht.
Schon nur die Geräusche bei meiner OP waren der Horror schlecht hin. Der süße Geruch von warmen und grad spritzenden Blut. Die pumpartigen Bewegungen und wie dieses rote Etwas auf dem Kittel meiner Ärztin aufschlägt, das hektische Treiben und die Anweisungen, welche den raum durchflattern….scheiß auf Grey´s Anatomy.
Mir treibst jetzt schon den Kloss im Hals nach oben und unten.
Die Zeit zieht so an mir vorbei und ich steh meist nur neben meinen Zeigern der Uhr und kann nur zuschauen, wie diese blöden Dinger ihre Runden drehen…erbarmungs- und gnadenlos.
Jeden Morgen sieht man jetzt anders. Man empfindet ihn anders und der Wechsel kann nicht gravierender sein.
Der leichte Nebel am Morgen scheint sich vor den Sonnenstrahlen zu fürchten. Kriechend verschwindet er im Gras und hinterlässt seinen feuchten Atem. Es dampft und meine Gedanken scheinen mit ihm zu kriechen. Angst kann wie Nebel sein. Leise und kriechend erfasst sie die Dinge, welche sie befallen will. Erst merken wir sie nicht und dann, wenn sie uns heimlich ergriffen hat, verändern sich unsere Gedanken. Wir denken an unsere Zukunft, wie es wohl weitergehen wird, an unsere Liebe und Lieben . Es wird dann immer Erdrückender. Die Last, welche uns zu erdrücken droht, scheint Berggröße anzunehmen. Mein Herz ähnelt einer Flunder oder halt einer zerquetschten Pflaume…für die Öi´s…Pflaume = Zwetschke.
Ich kann es leider nicht besser beschreiben, aber so ähnlich empfinde ich es.
Man, ich habe sogar Schiss, meine Schlachterlieblingsdoktorin anzurufen um zu fragen….als könnte ich die evtl. Vergessenheit heraufbeschwören.
Morgen muss ich es tun..
Die Tage werden kürzer. Die Stunden bleiben die Gleichen und mein Zeitreservoir nimmt nicht gerade zu… ein Paradoxum…manchmal…mein Leben.
Auch wenn ich mir es immer wieder vornehm und auf dem Weg dahin stehen bleibe oder die Richtung verwechsle, ich muss wirklich was ändern.
Liebe kann helfen… Lieben wird helfen und Geliebt werden ist eine Medizin.
Seelische Zufriedenheit, Lieben zu dürfen und lieben zu können kann Kraft schenken und einem die Stärke geben, seine Schwächen zu erkennen und zu ihnen zu stehen.
Ich weiß jetzt endlich, wo ich stehen sollte und den Weg dahin werde ich gehen.

 

 

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